Freitag, 12. August 2016

Slowenien

Kilometer 40095 bis ca. 41700

Meine erste Motorradreise nach über 30 Jahren habe ich vorsichtigerweise in zwei Etappen aufgeteilt, Dass das eine gute Entscheidung war hat sich bei der einteiligen Rückreise bestätigt. Nach mehreren Stunden Fahrt kann man auf der harten Sitzbank des Motorrads kaum mehr sitzen.

Meine erste Etappe führte mich an einem Freitagvormittag nach Bayrischzell zur Jugendherberge Sudelfeld, wo ich - nach einen Ausstellungsbesuch in Rosenheim - am Nachmittag eintraf. Die Anfahrt über Landstraßen war etwas mühsam aber doch angenehmer als monotones Autobahnfahren. Je näher ich dem Alpenvorland kam, desto dichter wurde der Verkehr, da ich bedauerlicherweise den ersten Ferientag Bayerns erwischt hatte.

Wie auch immer - ich kam guter Dinge an, bekam mein Einzelzimmer (das ich vorab gebucht hatte) und verbrachte - nach einem üppigen Abendessen und längeren Spaziergang - einen ereignislosen Abend in den Voralpen, den ich außerordentlich genoss.


Am anderen Morgen brach ich vor dem Frühstück auf und steuerte durch die Nordalpen in Richtung Lienz. Unterwegs merkte ich, das mein Abblendlicht nicht mehr funktionierte. Ich fuhr ab da bei Tageslicht mit Fernlicht. Nachts überhaupt nicht.

Von Bruck aus beginnt die Großglocknerhochalpenstraße, deren Befahrung ich schon seit langem geplant hatte. Es ist nicht ganz einfach sie zu finden weil sie schlecht ausgeschildert ist. Irgendwann - noch am einigermaßen frühen Vormittag - bezahlte ich die unverschämt hohe Maut (25,- €) und arbeitete mich bergauf Richtung Passhöhe. Dabei waren zahllose Fahrradfahrer zu überholen, die die kühle Morgenluft ebenfalls nutzten und ich bekam es mit allerlei Motorradfrühstartern zu tun, die die Strecke als Rennstrecke betrachten. Nicht wenige von ihnen verbringen den ganzen Tag (für den sie ja die Maut bezahlt haben) auf der Straße. Sie brausen immer wieder hoch und runter. Es gibt zahlreiche Videos dieser waghalsigen Fahrten im Netz zu bestaunen.

Etwas entnervt von diesem Massenaufkommen erreichte ich irgendwann die Passhöhe, von der aus man noch über eine gepflasterte Straße auf einen kleinen Zwischengipfel namens Edelweißspitze fahren kann. Das machte ich natürlich auch. Oben traf ich zahlreiche Autos und Motorräder an, deren Fahrerinnen und Fahrer die Aussicht und die vollbrachte Auffahrt genossen.

Ärgerlicherweise ging das Motorrad gegen Ende der Auffahrt in einigen Passkehren aus, was bei mir ernste Bedenken auslöste, die den kurzen Aufenthalt etwas überschatteten. Ich hatte Sorge, es nach meinem Aufenthalt da oben überhaupt wieder gestartet zu kriegen. Inzwischen weiß ich, dass dieser Effekt offenbar mit der dünnen Luft zu tun hat. Das Phänomen trat später nicht mehr auf.

Auf der Abfahrt nach Süden kam ich an den Schneefräsen vorbei, die den Pass im Winter frei halten. Es handelt sich um beeindruckende gewaltige Maschinen, die eine enge Gasse in den tiefen Schnee fräsen. Offenbar sind sie seit den 50er Jahren in Betrieb und es sieht so aus, als ob sie noch lange Jahre weiter arbeiten.



Die Weiterfahrt nach Slowenien führte mich noch über manch anderen Pass. Den Pass nach Zaga (Sedlo Učja) in Slowenien, den ich eigentlich fahren wollte, verfehlte ich weil ich mein Navigationsgerät falsch programmiert hatte. Stattdessen führte mich mein Weg über die Strada Provinciale 76 zum Predil-Pass über den ich irgendwann am frühen Nachmittag bei ziemlich großer Hitze mein Ziel Bovec erreichte.

Die Gesamtstrecke bis dahin betrug 661 Kilometer und es war eine gute Entscheidung diese Strecke auf zwei Tage zu verteilen.
In Bovec traf ich erste Mitstreiter für die Betreuung der Jugendausfahrt unserer Paddeljugend, denen ich mein Zelt mitgegeben hatte. Wir besichtigten den Niedrigwasser führenden Fluss und...
...stellten unsere Zelte auf. Das Motorrad platzierte ich mit dem Seitenständer auf ein Brett weil ich Sorge hatte, dass der sich bei Regen möglicherweise in den Boden bohrt und die Maschine zum Umfallen bringt. Regen hatten wir auch in der Nacht. Leider brachte er nicht genug Wasser um die Pegel der Flüsse spürbar ansteigen zu lassen.


Wir und die Paddeljugend hatten dennoch in der darauf folgenden Woche viel Spaß. Auch bei niedrigen Pegeln lassen sich einzelne Abschnitte der Soča gut paddeln. - sie weisen teils sogar interessantere Schwierigkeiten auf weil Felsen dann nicht über- sondern umspült werden.

Nach einer guten Woche verstaute ich mein Boot auf und den größten Teil der Ausrüstung im Anhänger, den die anderen dann am Folgetag nach Hause ziehen würden und machte mich im Morgengrauen auf die lange Rückfahrt, die ich in einem Stück bewältigen wollte. Das schaffte ich auch, aber mein Steißbein ließ mich diese Entscheidung schwer bereuen.

Obwohl ich immer häufiger und immer längere Pausen einlegte konnte ich gegen Ende kaum mehr auf dem Motorrad sitzen. Das erfüllte seine Aufgabe tadellos und hat sich - mit Ausnahme der Sitzqualität - in jeder Hinsicht bewährt. Ich überlege nun den Sitz aufpolstern zu lassen oder - bei längeren Fahrten - irgendwie ein zusätzliches Sitzpolster zu befestigen.

Inzwischen habe ich auch in Erfahrung gebracht, wie die Birne des Hauptscheinwerfers ausgetauscht wird. Das habe ich in Slowenien einige Male vergeblich versucht und wäre beinahe in eine Werkstatt gefahren. 

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