Mittwoch, 31. August 2016

Recherchefahrt

Kilometer 42384 bis 42521

Für eine für morgen geplante Paddeltour auf der Großen Lauter habe ich mich mal dort im Lautertal mit dem Motorrad herumgetrieben und habe Ein- und Aussatzstelle sowie die altbekannte knifflige Stelle bei einem Gehöft mit dem klingenden Namen "Im Bürzel" angesehen.


Die Landschaft der Schwäbischen Alb und besonders das Lautertal haben mir diesmal wieder richtig gut gefallen. Weniger gut gefielen mir die Transparente, die endlich ein Verbot von Motorrädern in diesem Tal fordern. Ich war ja schon häufiger dort und kann nachvollziehen, dass die Lärmbelastung bei gutem Wetter und besonders an Wochenenden entsetzlich sei muss. Ich habe mich bemüht leise und langsam zu fahren. Das machen offenbar nur wenige. Viele Maschinen werden ja auch so konstruiert, dass ersteres gar nicht möglich ist.


Morgen werden wir dort also eine Bootstour unternehmen - so wie viele andere auch. Mit den kleinen Unterschied, dass wir unsere Boote selbst mitbringen und allerhand Paddel- und Ökologieschulungen hinter uns haben. Die können die zahllosen Touristen, die da in Plastikleihbooten herumdümpeln nicht nachweisen. Entsprechend verhalten sie sich. Kein Wunder, dass das Paddeln auf der Großen Lauter an den Wochenenden verboten ist. Was spricht wohl dagegen, dass auch fürs Motorradfahren durchzusetzen?

Montag, 15. August 2016

Graue Busse


Schon im April 2015 war ich eher zufällig zur Gedenkstätte Grafeneck gefahren. Im Juni wollte ich mir dann in Zwiefalten das Mahnmal der Grauen Busse ansehen, an dem ich vorher eher achtlos mehrere Male im Auto vorbei gefahren war. Es stellte sich heraus, dass dieses Mahnmal eine Art "Wandermahnmal" ist, das gegenwärtig in Winnenden zu finden ist.

Dort bin ich nun letzte Woche auf einer Fahrt in Stuttgarts Norden vorbei gefahren und habe mir das vierteilige Mahnmal angeschaut. Es symbolisiert einen der grauen Busse, in denen Menschen mit geistiger Behinderung in das Vernichtungslager Grafeneck befördert wurden.


Das Denkmal der Grauen Busse wird sowohl entlang der Verwaltungswege der Vernichtungsaktion als auch der historischen Fahrstrecken der Todesbusse aufgestellt. Das Konzept, das dieser Kunstaktion zugrunde liegt, wird in diesem Text anschaulich beschrieben. Mich hat das sehr beeindruckt.

Freitag, 12. August 2016

Zum Kaffeetrinken nach Italien

Kilometer 40756 bis 40925


Am Mittwoch setzten wir in Slowenien mit Paddeln aus. Die meisten unternahmen eine Wanderung, andere blieben auf dem Campingplatz, ich setzte mich aufs Motorrad und holte die verpasste Fahrt über den Pass von Zaga nach Italien (Sedlo Učja) nach. Diese Fahrt war eher unspektakulär. Der Pass ist nicht besonders hoch, die Straße schmal und eher sanft gewunden. Ich genoss die Fahrt, hielt mich anschließend ein wenig in der italienischen Tiefebene auf und fuhr dann zurück nach Bovec.




Von da aus fuhr ich weiter hinauf ins Sočatal. Vorbei an der Sočaquelle bis hinauf auf die Passhöhe des Trentapass (der heißt auf Slowenisch "Vršič" und wurde im Ersten Weltkrieg von russischen Kriegsgefangenen gebaut). Ungefähr die Hälfte der 50 Kehren, die dieser Pass bereit hält fuhr ich also bergauf, drängelte mich oben mit zahllosen anderen Passbezwingern, ...
...zwischen deren Fahrzeugen Schafe herumliefen und -lagen und allerhand Dreck hinterließen und machte mich alsbald wieder auf den Rückweg weil mir das Gedrängel zu unangenehm war (die Betreiber der Passhöhe wollten überdies unverschämte 1,50 € fürs Parken, was ich durch eine zügige Flucht abwenden konnte).


Mein Weg führte mich zurück an die Soča, an der ich an einer Schlüsselstelle, dem "Bunkerschwall" Halt machte.Dort beschäftigte sich eine Paddlergruppe aus Hannover damit den Niedrigwasser führenden Schwall ohne zu große Schäden an Boot und Paddlern zu bewältigen. Es rumpelte oftmals lautstark als die PE-Boote teils heftigeren Kontakt mit Felsen bekamen. Ich entschied mich dafür weiter zu fahren und meinen Paddelfreunden eine Befahrung dieses Schwalls bei dem Pegel nicht zuzuraten.

Auf dem Rückweg nahm ich noch eine schmackhafte Mahlzeit Chevapchichi in einem Lokal in Chesoča zu mir, in dem die Paddeljugend an ihrem Abschlusstag speisen sollte, an dem ich ja nicht mehr dabei war. 


Slowenien

Kilometer 40095 bis ca. 41700

Meine erste Motorradreise nach über 30 Jahren habe ich vorsichtigerweise in zwei Etappen aufgeteilt, Dass das eine gute Entscheidung war hat sich bei der einteiligen Rückreise bestätigt. Nach mehreren Stunden Fahrt kann man auf der harten Sitzbank des Motorrads kaum mehr sitzen.

Meine erste Etappe führte mich an einem Freitagvormittag nach Bayrischzell zur Jugendherberge Sudelfeld, wo ich - nach einen Ausstellungsbesuch in Rosenheim - am Nachmittag eintraf. Die Anfahrt über Landstraßen war etwas mühsam aber doch angenehmer als monotones Autobahnfahren. Je näher ich dem Alpenvorland kam, desto dichter wurde der Verkehr, da ich bedauerlicherweise den ersten Ferientag Bayerns erwischt hatte.

Wie auch immer - ich kam guter Dinge an, bekam mein Einzelzimmer (das ich vorab gebucht hatte) und verbrachte - nach einem üppigen Abendessen und längeren Spaziergang - einen ereignislosen Abend in den Voralpen, den ich außerordentlich genoss.


Am anderen Morgen brach ich vor dem Frühstück auf und steuerte durch die Nordalpen in Richtung Lienz. Unterwegs merkte ich, das mein Abblendlicht nicht mehr funktionierte. Ich fuhr ab da bei Tageslicht mit Fernlicht. Nachts überhaupt nicht.

Von Bruck aus beginnt die Großglocknerhochalpenstraße, deren Befahrung ich schon seit langem geplant hatte. Es ist nicht ganz einfach sie zu finden weil sie schlecht ausgeschildert ist. Irgendwann - noch am einigermaßen frühen Vormittag - bezahlte ich die unverschämt hohe Maut (25,- €) und arbeitete mich bergauf Richtung Passhöhe. Dabei waren zahllose Fahrradfahrer zu überholen, die die kühle Morgenluft ebenfalls nutzten und ich bekam es mit allerlei Motorradfrühstartern zu tun, die die Strecke als Rennstrecke betrachten. Nicht wenige von ihnen verbringen den ganzen Tag (für den sie ja die Maut bezahlt haben) auf der Straße. Sie brausen immer wieder hoch und runter. Es gibt zahlreiche Videos dieser waghalsigen Fahrten im Netz zu bestaunen.

Etwas entnervt von diesem Massenaufkommen erreichte ich irgendwann die Passhöhe, von der aus man noch über eine gepflasterte Straße auf einen kleinen Zwischengipfel namens Edelweißspitze fahren kann. Das machte ich natürlich auch. Oben traf ich zahlreiche Autos und Motorräder an, deren Fahrerinnen und Fahrer die Aussicht und die vollbrachte Auffahrt genossen.

Ärgerlicherweise ging das Motorrad gegen Ende der Auffahrt in einigen Passkehren aus, was bei mir ernste Bedenken auslöste, die den kurzen Aufenthalt etwas überschatteten. Ich hatte Sorge, es nach meinem Aufenthalt da oben überhaupt wieder gestartet zu kriegen. Inzwischen weiß ich, dass dieser Effekt offenbar mit der dünnen Luft zu tun hat. Das Phänomen trat später nicht mehr auf.

Auf der Abfahrt nach Süden kam ich an den Schneefräsen vorbei, die den Pass im Winter frei halten. Es handelt sich um beeindruckende gewaltige Maschinen, die eine enge Gasse in den tiefen Schnee fräsen. Offenbar sind sie seit den 50er Jahren in Betrieb und es sieht so aus, als ob sie noch lange Jahre weiter arbeiten.



Die Weiterfahrt nach Slowenien führte mich noch über manch anderen Pass. Den Pass nach Zaga (Sedlo Učja) in Slowenien, den ich eigentlich fahren wollte, verfehlte ich weil ich mein Navigationsgerät falsch programmiert hatte. Stattdessen führte mich mein Weg über die Strada Provinciale 76 zum Predil-Pass über den ich irgendwann am frühen Nachmittag bei ziemlich großer Hitze mein Ziel Bovec erreichte.

Die Gesamtstrecke bis dahin betrug 661 Kilometer und es war eine gute Entscheidung diese Strecke auf zwei Tage zu verteilen.
In Bovec traf ich erste Mitstreiter für die Betreuung der Jugendausfahrt unserer Paddeljugend, denen ich mein Zelt mitgegeben hatte. Wir besichtigten den Niedrigwasser führenden Fluss und...
...stellten unsere Zelte auf. Das Motorrad platzierte ich mit dem Seitenständer auf ein Brett weil ich Sorge hatte, dass der sich bei Regen möglicherweise in den Boden bohrt und die Maschine zum Umfallen bringt. Regen hatten wir auch in der Nacht. Leider brachte er nicht genug Wasser um die Pegel der Flüsse spürbar ansteigen zu lassen.


Wir und die Paddeljugend hatten dennoch in der darauf folgenden Woche viel Spaß. Auch bei niedrigen Pegeln lassen sich einzelne Abschnitte der Soča gut paddeln. - sie weisen teils sogar interessantere Schwierigkeiten auf weil Felsen dann nicht über- sondern umspült werden.

Nach einer guten Woche verstaute ich mein Boot auf und den größten Teil der Ausrüstung im Anhänger, den die anderen dann am Folgetag nach Hause ziehen würden und machte mich im Morgengrauen auf die lange Rückfahrt, die ich in einem Stück bewältigen wollte. Das schaffte ich auch, aber mein Steißbein ließ mich diese Entscheidung schwer bereuen.

Obwohl ich immer häufiger und immer längere Pausen einlegte konnte ich gegen Ende kaum mehr auf dem Motorrad sitzen. Das erfüllte seine Aufgabe tadellos und hat sich - mit Ausnahme der Sitzqualität - in jeder Hinsicht bewährt. Ich überlege nun den Sitz aufpolstern zu lassen oder - bei längeren Fahrten - irgendwie ein zusätzliches Sitzpolster zu befestigen.

Inzwischen habe ich auch in Erfahrung gebracht, wie die Birne des Hauptscheinwerfers ausgetauscht wird. Das habe ich in Slowenien einige Male vergeblich versucht und wäre beinahe in eine Werkstatt gefahren.